Die Lügenkonstrukte der staatlichen Stellen können durch ihre Manöver, sei es im Gericht oder in der Öffentlichkeit, nicht die Ursachen für das Sterben von vielen Menschen vertuschen: weder den Mord an Oury Jalloh, noch die an Laye Alame Konde, Dominique Koumadio, Maryama Sarr, Halim Dener noch an allen anderen Opfer der Polizeigewalt. Niemand kann die Tausenden Toten leugnen, die während Abschiebungen oder bei der Abwehr von Flüchtlingen an den Außengrenzen Europas oder bereits auf anderen Kontinenten mit Geldern aus Deutschland gemordet werden. Doch das Urteil will uns durch die Überlegenheit der Macht zeigen und letztendlich klarmachen, dass unsere Wildheit selbst der Grund für den Tod unserer Brüder und Schwestern ist.
Nichts ist barbarischer als der reaktionäre Krieg um Rohstoffe. Nichts ist barbarischer als hochausgerüstete Krieger und Armeen im Namen der Wirtschaft in die Welt zu schicken, um den Erdball zu unterwerfen und nichts ist barbarischer und fundamentalistischer als Kriege für persönlichen Profit einiger auszulösen. Nichts ist barbarischer als mit hochausgerüsteten Polizisten auf friedliche Demonstranten loszugehen, die für eine saubere und friedliche Welt in Kopenhagen auf die Straße gehen. Nichts ist brutaler als mit Polizisten auf friedliche kurdische Demonstranten in Berlin loszugehen und gleichzeitig zu schweigen zum Verbot einer demokratischen kurdischen Partei und zahlreichen Verhaftungen in der Türkei. All die menschlichen Werte verteidigen wir weiterhin gegen der kolonialen Barbarei des Kapitalismus und der Menschen, die diese vorantreiben.
In Gedenken an all die Opfer für eine Gesellschaft frei von Ausbeutung und Krieg
Wir werden weiterhin in diese Gesellschaft die Wahrheit und unsere Würde verteidigen und auch dem Teil der Gesellschaft, die zu all den Morden schweigt, die Namen der Toten vorlesen. An ihren Todestagen erinnern wir immer wieder daran, wie barbarisch das ganze System ist. Wir werden auch denjenigen selbsternannten Vertretern, die für uns sprechen wollen, durch unser Auftreten zeigen, dass wir keine Herren brauchen. Das Urteil des Gerichts ist die Konsequenz der kolonialen Dominanz, das Schweigen der Gesellschaft ist sowohl diesem Überlegenheitsgefühl als auch der Gleichgültigkeit der Individuen im Kapitalismus gegenüber anderen geschuldet. Das Schweigen der sich selbst ernannten fortschrittlichen Menschen ist ihrer Angst geschuldet, ihrer Angst die bequemen Positionen in der ersten Reihe aufgeben zu müssen und aktiv für eine Gesellschaft frei von Mord und Totschlag, frei von Ausbeutung und Krieg einzutreten. Für uns ist der Weg klar und deutlich: der Kampf um Würde im Falle Oury Jalloh ist gleichzeitig der Kampf um Würde für die Brüdern und Schwestern in den Isolationsheimen in Deutschland. Es ist gleichzeitig der Kampf um Würde für alle unseren Verwandten in den dominierten Erdteilen gegen die koloniale Selbstverständlichkeit und Dominanz. Er ist gleichzeitig die Schule, in der wir Solidarität und aktives kollektives Handeln lernen.
Wir fordern alle auf, an dem Tag der Verhandlung in Karlsruhe zu verfolgen, ob der Bundesgerichtshof ernsthaft die bisherigen Mängel im Falle Oury Jallohs untersucht. Weiterhin laden wir alle Menschen ein, am 7. Januar nach Dessau zu kommen, um symbolisch am Todestag von Oury Jalloh und Laye Alama Konde allen Opfern der Polizeibrutalität und der kolonialen Herrschaft zu gedenken und Solidarität und Einheit gegen die Verbrechen und gegen das ausgesprochene Unrecht zu demonstrieren.
In Gedenken an all unsere Toten setzen wir der kolonialen Barbarei unsere Solidarität entgegen.
Mehr Informationen finden Sie im Anschluss.
Samad Ali im Namen der KARAWANE für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen
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